Slow Living: Warum langsamer leben keine Faulheit ist

DutyDazzle Team
10. Februar 20263 Min. Lesezeit0 Aufrufe

Dein Kalender hat keine Lücken mehr

Montag: Arbeit, danach Fitnessstudio, danach Einkaufen. Dienstag: Arbeit, danach Arzttermin, danach Freunde treffen. Mittwoch: Arbeit, danach... du weißt es nicht mal mehr, du schaust kurz im Kalender nach. Und irgendwann zwischen Donnerstag und Freitag fragst du dich, wann du das letzte Mal einfach nichts gemacht hast. Bewusst nichts. Nicht erschöpft-auf-der-Couch-nichts, sondern gewollt-nichts.

Wahrscheinlich weißt du es nicht mehr.

Slow Living klingt schön – und erstmal unrealistisch

Wenn du "Slow Living" googelst, findest du Bilder von Menschen in Leinenhosen, die in Keramiktassen Tee trinken und barfuß durch Gärten laufen. Schön. Aber wenn du in einer 60-Quadratmeter-Wohnung lebst, Vollzeit arbeitest und Miete zahlen musst, fühlt sich das an wie ein Paralleluniversum.

Die gute Nachricht: Slow Living ist nicht das, was Instagram daraus macht. Es geht nicht darum, aufs Land zu ziehen und Brot zu backen. Es geht darum, bewusst zu entscheiden, womit du deine Zeit füllst – statt dich von deinem Kalender treiben zu lassen.

Was Slow Living eigentlich bedeutet

Im Kern ist es simpel: Weniger, aber bewusster. Nicht alles optimieren. Nicht jede Minute füllen. Nicht immer produktiv sein müssen.

Das klingt nach dem Gegenteil von dem, was uns beigebracht wurde. Wir sind aufgewachsen mit der Idee, dass Beschäftigtsein gleichbedeutend mit Wichtigkeit ist. Wer viel zu tun hat, hat es geschafft. Wer nichts zu tun hat, ist faul. (Das Gegenteil davon – Productivity Guilt – ist die Kehrseite derselben Medaille.)

Aber – und das merken gerade viele – ständige Beschäftigung ist kein Zeichen von Erfolg. Es ist oft ein Zeichen dafür, dass du nicht weißt, was du eigentlich willst. Also füllst du die Leere mit Terminen.

Der schwierige Teil: Langeweile aushalten

Das Unbequeme an Slow Living ist nicht das Konzept. Es ist die Praxis. Wenn du einen freien Abend hast und nichts vorhast – hältst du das aus?

Die meisten Menschen greifen innerhalb von Minuten zum Handy. Nicht weil sie etwas Bestimmtes suchen, sondern weil Leere sich unangenehm anfühlt. Wir haben verlernt, nichts zu tun. Und genau da fängt Slow Living an: Bei der Bereitschaft, Langeweile auszuhalten, ohne sie sofort zu füllen.

Das ist eben nicht leicht. Und niemand schafft das von heute auf morgen.

Kleine Schritte, kein Lifestyle-Umbau

Einen Abend pro Woche freihalten. Keinen Termin, keine Verabredung, keine Pläne. Was du dann machst, entscheidest du spontan – oder du machst gar nichts.

Morgens nicht sofort aufs Handy schauen. Nicht als eiserne Regel, sondern als Experiment. Wie fühlen sich die ersten zehn Minuten an, wenn du nicht sofort weißt, was die Welt macht?

Übergänge bewusst machen. Nicht von der Arbeit direkt in den Haushalt. Fünf Minuten Pause dazwischen. Kurz durchatmen, Kaffee trinken, nichts scrollen. Es geht um den Moment zwischen zwei Aufgaben.

Weniger Multitasking. Essen und dabei fernsehen. Spazieren und dabei telefonieren. Kochen und dabei Podcast hören. Irgendwann macht man alles gleichzeitig und nichts richtig. Ab und zu eine Sache allein machen – ohne Begleitbeschallung.

Es geht nicht um Perfektion (schon wieder nicht)

Slow Living ist kein Zustand, den du erreichst. Es ist eine Richtung. Manche Wochen sind hektisch, und das ist okay. Der Punkt ist nicht, nie gestresst zu sein. Der Punkt ist, zu merken, wann du im Autopilot steckst, und ab und zu bewusst rauszutreten.

Und nein, du musst dafür keine Leinenhosen tragen.

Die leise Belohnung

Das Schwierige an Slow Living: Die Belohnung kommt nicht sofort. Es gibt keinen Dopamin-Kick, wenn du einen Abend auf dem Balkon sitzt und in die Luft starrst. Dein Gehirn wird sich beschweren. "Mach doch was Sinnvolles."

Aber nach ein paar Wochen merkst du was: Du bist weniger gehetzt. Du schläfst besser. Du genießt Dinge mehr, weil du sie nicht zwischen zwei Terminen quetschst. Die Belohnung ist leise, aber sie ist da.

Manchmal ist die beste Routine die, in der du dir erlaubst, keine zu haben.


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