Subscription Creep: Wie Abos dein Budget still und leise auffressen
9,99 hier, 12,99 da, 4,99 dort
Du schaust auf deinen Kontoauszug und siehst: Netflix, Spotify, iCloud, YouTube Premium, die Fitness-App, das Zeitschriften-Abo, die Meditations-App, der Cloud-Speicher, die zweite Streaming-Plattform für die eine Serie. Einzeln sieht jedes Abo harmlos aus. Zusammen sind es 87 Euro im Monat. Über tausend Euro im Jahr. Für Dinge, die du teilweise seit Wochen nicht benutzt hast.
Willkommen bei Subscription Creep – dem schleichenden Abo-Wahnsinn.
Wie passiert das?
Ganz einfach: Abos sind so designt, dass du sie vergisst. Die kostenlose Testphase läuft automatisch in ein Bezahlabo über. Die Abbuchung kommt am Monatsanfang, wenn du nicht drauf achtest. Und die einzelnen Beträge sind so klein, dass dein Gehirn sie nicht als "echte Ausgabe" verbucht.
Dazu kommt: Jedes Abo löst beim Abschließen ein gutes Gefühl aus. "Jetzt lerne ich endlich Spanisch!" (Duolingo Plus). "Jetzt meditiere ich jeden Tag!" (Headspace). "Jetzt werde ich fit!" (Freeletics). Das sind im Grunde die gleichen Vorsätze, die auch beim Gewohnheits-Tracker nach zwei Wochen verstauben. Nur dass der Tracker einmalig 15 Euro kostet und das Abo jeden Monat abbucht.
Warum Kündigen so schwer fällt
Der Sunk-Cost-Effekt. "Ich hab schon drei Monate bezahlt, jetzt kann ich nicht aufhören." Doch, kannst du. Das Geld ist weg, egal ob du weiter zahlst oder nicht. Die Frage ist nur, ob du weiteres Geld ausgeben willst für etwas, das du nicht nutzt.
Die Vielleicht-Falle. "Vielleicht fange ich nächste Woche wieder an." Das sagt man sich bei Netflix selten – aber bei der Meditations-App, dem Online-Kurs oder dem Fitness-Abo ständig. Realistisch betrachtet: Wenn du es seit vier Wochen nicht genutzt hast, wirst du es nächste Woche auch nicht nutzen.
Der Komfort der Verfügbarkeit. Du zahlst nicht für die Nutzung, du zahlst für die Option. "Wenn ich mal Lust habe, ist es da." Ja, und wenn du Lust hast, kannst du es auch wieder abschließen. Die meisten Abos sind in fünf Minuten reaktiviert.
Der Abo-Audit: Einmal aufräumen
Setz dich einmal hin – dauert maximal 30 Minuten – und geh deine Kontoauszüge der letzten drei Monate durch. Schreib jedes wiederkehrende Abo auf. Für jedes stellst du dir drei Fragen:
1. Habe ich es im letzten Monat benutzt? Nicht "wollte ich benutzen" – tatsächlich benutzt. Wenn nein: kündigen.
2. Würde ich es heute neu abschließen? Stell dir vor, du hättest das Abo nicht. Würdest du jetzt auf die Website gehen und es kaufen? Wenn du zögerst: kündigen.
3. Gibt es eine kostenlose Alternative? Spotify Free statt Premium. YouTube mit Werbung statt ohne. Die Notizen-App auf dem Handy statt Notion Premium. Nicht alles muss die Bezahlversion sein.
Systeme statt Willenskraft
Das Einmal-Aufräumen ist gut. Aber der eigentliche Trick ist, dass sich der Abo-Creep nicht wieder einschleicht. Dafür gibt es ein paar Systeme:
Abo-Tag im Kalender. Einmal im Quartal – z.B. am ersten Sonntag – schaust du alle laufenden Abos durch. Zehn Minuten, kein Drama. Macht man bei der Wohnung ja auch: Ab und zu ausmisten, damit sich nichts ansammelt. Das Gleiche gilt für Sparen im Alltag – Überblick ist der erste Schritt.
Separates Abo-Konto. Klingt übertrieben, hilft aber: Alle Abos von einem separaten Konto abbuchen lassen. Dann siehst du auf einen Blick, was monatlich rausgeht – ohne es aus den normalen Ausgaben rausrechnen zu müssen.
Die 48-Stunden-Regel. Bevor du ein neues Abo abschließst: 48 Stunden warten. Wenn du nach zwei Tagen immer noch willst – mach es. Aber die Hälfte aller Spontan-Abos überlebt diese Wartezeit nicht. Das ist Entscheidungsmüdigkeit andersrum genutzt: Statt impulsiv zu entscheiden, gibst du deinem Gehirn Zeit.
Es geht nicht um Verzicht
Du musst nicht alle Abos kündigen und in einer digitalen Höhle leben. Es geht darum, bewusst zu entscheiden, wofür du zahlst. Netflix nutzen und genießen? Super. Spotify ist jeden Cent wert für dich? Behalte es. Aber die drei Apps, die du seit November nicht geöffnet hast, dürfen gehen.
Und falls du jetzt denkst "Mach ich morgen" – das ist genau die Prokrastination, die solche Aufgaben am Leben hält. Mach's jetzt. Kontoauszug öffnen, fünf Minuten, fertig.
Den Überblick behalten – über Abos, Aufgaben und Alltag. Duty Dazzle hilft dir, die kleinen Dinge nicht zu vergessen. dutydazzle.de
DutyDazzle Team
Das DutyDazzle Team besteht aus Experten für Motivation, Produktivität und Partnerschaftspsychologie.
Artikel teilen
Ähnliche Artikel
Mental Load: Warum dein Gehirn ständig an Hausarbeit denkt (und was dagegen hilft)
Mental Load erschöpft dich mehr als Hausarbeit selbst. Mach den Test, verstehe die 7 Kategorien und finde praktische Lösungen für weniger mentale Last.
Haushalt und mentale Gesundheit: Warum Unordnung auf die Psyche schlägt
Die Verbindung zwischen Unordnung und Stress ist real. Aber der Zusammenhang ist komplizierter, als die meisten Ratgeber zugeben.
Minimalistisch leben, weniger Hausarbeit: Warum weniger Besitz dir Zeit schenkt
Jedes Ding, das du besitzt, kostet Zeit: putzen, sortieren, lagern. Warum weniger Besitz ganz pragmatisch weniger Arbeit bedeutet.