Weaponized Incompetence: Wenn dein Partner absichtlich schlecht putzt
Weaponized Incompetence: Wenn dein Partner absichtlich schlecht putzt
Er hat die Wäsche gewaschen. Eigentlich schön. Nur sind jetzt alle weißen T-Shirts rosa, weil der rote Pulli mit reinkam. "Tja, ich hab halt keine Ahnung von Wäsche." Und du machst es beim nächsten Mal wieder selbst.
Zufällig? Vielleicht. Muster? Wahrscheinlicher.
Was Weaponized Incompetence bedeutet
Der Begriff kommt aus dem Englischen und beschreibt ein Verhalten, bei dem jemand eine Aufgabe absichtlich so schlecht erledigt, dass er oder sie nie wieder darum gebeten wird. Auf Deutsch könnte man es "strategische Unfähigkeit" nennen.
Das Perfide daran: Es sieht aus wie guter Wille. "Ich hab es doch versucht!" Aber das Ergebnis ist immer dasselbe – die andere Person übernimmt die Aufgabe wieder, weil es einfacher ist, als das Chaos zu reparieren.
So sieht es im Alltag aus
Das Geschirr wird zwar gespült, aber so, dass die Hälfte noch dreckig ist. Das Bad wird geputzt, aber nur das Waschbecken. Die Einkäufe werden erledigt, aber es fehlt die Hälfte der Liste und dafür stehen drei Packungen Chips im Regal.
Und jedes Mal, wenn du darauf hinweist, kommt: "Ich kann das halt nicht so gut wie du." Oder: "Du bist da einfach besser drin."
Klingt nach einem Kompliment. Ist aber eine Strategie.
Warum es so gut funktioniert
Weaponized Incompetence nutzt einen simplen psychologischen Mechanismus: Wenn die Korrektur mehr Aufwand ist als die Aufgabe selbst, gibst du irgendwann auf. Du hörst auf zu delegieren, weil du keine Lust mehr auf das Drama hast. Und übernimmst stillschweigend alles.
Das Problem dabei: Die Person, die immer einspringt, brennt irgendwann aus. Nicht wegen der Aufgaben selbst, sondern wegen des Gefühls, dass dem anderen die gemeinsame Wohnung offenbar egal ist.
Abgrenzung: Nicht jedes Missgeschick ist absichtlich
Hier wird es heikel. Nicht jeder, der mal das Waschprogramm verwechselt, betreibt Weaponized Incompetence. Menschen haben unterschiedliche Standards, unterschiedliche Erfahrungen und ja – manche haben bestimmte Dinge einfach nie gelernt.
Der Unterschied liegt im Muster:
Wer einmal die Wäsche verfärbt und beim nächsten Mal nachfragt, wie es richtig geht – der lernt dazu. Wer es nach dem fünften Mal immer noch falsch macht und dabei die Schultern zuckt – der hat kein Lern-, sondern ein Motivationsproblem.
Auch wichtig: Manche Verhaltensweisen, die wie Absicht wirken, haben neurologische Ursachen. Menschen mit ADHS zum Beispiel vergessen Aufgaben nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil ihre Exekutivfunktion anders arbeitet. Der Kontext zählt.
Was du tun kannst
Muster benennen, nicht einzelne Situationen
"Du hast schon wieder das Bad nicht richtig geputzt" führt zu Defensive. Besser: "Mir fällt auf, dass bestimmte Aufgaben regelmäßig nicht richtig erledigt werden, und das frustriert mich. Können wir darüber reden?"
Verantwortung statt Aufgaben übertragen
Statt einzelne Aufgaben zu delegieren (und dann kontrollieren zu müssen), übergib ganze Bereiche. "Du bist für das Bad zuständig" heißt: Du entscheidest wann, wie und womit. Und du trägst die Konsequenzen, wenn es nicht passiert.
Standards gemeinsam definieren
Was bedeutet "sauber" für euch? Wenn ihr das nie besprochen habt, ist es kein Wunder, dass die Ergebnisse auseinandergehen. Einigt euch auf konkrete Standards – nicht als Kontrolle, sondern als gemeinsame Grundlage.
Bei Wiederholung Klartext reden
Wenn sich trotz Gespräch nichts ändert, braucht es klare Worte. Es geht nicht um Perfektion, sondern um Respekt. Wer dauerhaft so tut, als könne er oder sie grundlegende Aufgaben nicht erledigen, zeigt damit: Deine Zeit und Energie sind mir weniger wert als meine Bequemlichkeit.
Fazit
Weaponized Incompetence ist kein Kavaliersdelikt. Es ist eine Form von Respektlosigkeit, die Beziehungen schleichend zerstört. Die gute Nachricht: Die meisten Fälle sind keine bewusste Bosheit, sondern eingeschliffene Muster, die sich ändern lassen – wenn beide es wollen.
Der erste Schritt ist, das Muster zu erkennen. Der zweite, es auszusprechen. Und der dritte, gemeinsam Systeme zu schaffen, in denen Verantwortung nicht mehr wegdelegiert werden kann.
Duty Dazzle macht sichtbar, wer was beiträgt – mit Punkten für jede erledigte Aufgabe. So wird aus "Ich hab doch was gemacht!" ein nachprüfbarer Fakt. Hier mehr erfahren
DutyDazzle Team
Das DutyDazzle Team besteht aus Experten für Motivation, Produktivität und Partnerschaftspsychologie.
Artikel teilen
Ähnliche Artikel
Warum sich Paare über Hausarbeit streiten – und was wirklich hilft
Hausarbeit ist der häufigste Streitgrund in Beziehungen. Erfahre die psychologischen Hintergründe und wie Gamification mit Duty Dazzle faire Aufteilung ermöglicht.
Haushalt fair teilen: Warum Aufgaben zählen nicht reicht
Wer mehr Aufgaben erledigt, hat recht? So einfach ist es leider nicht. Warum reines Scorekeeping Beziehungen schadet – und was faire Aufteilung wirklich bedeutet.
"Ich seh den Dreck einfach nicht" – Unterschiedliche Sauberkeitsstandards in Beziehungen
Warum Paare unterschiedlich sauber sind, was dahintersteckt – und wie ihr einen Kompromiss findet, ohne euch gegenseitig wahnsinnig zu machen.