WG-Putzplan: Warum er nie funktioniert (und was stattdessen hilft)
WG-Putzplan: Warum er nie funktioniert (und was stattdessen hilft)
Irgendwann in den ersten Wochen des Zusammenlebens passiert es: Jemand hängt einen Zettel an den Kühlschrank. Oben steht "Putzplan", darunter eine Tabelle mit Namen, Aufgaben und Wochentagen. Alle nicken zustimmend. Und nach spätestens drei Wochen hält sich keiner mehr dran.
Falls du gerade in einer WG wohnst: Du weißt genau, wovon ich rede.
Warum der klassische Putzplan scheitert
Das Problem ist nicht der Plan selbst. Das Problem ist, dass er auf einer Annahme basiert, die selten stimmt: dass alle Beteiligten dieselbe Vorstellung von "sauber" haben, dasselbe Pflichtgefühl mitbringen und dieselbe Frustrationstoleranz besitzen.
In der Realität sieht das so aus: Einer putzt das Bad gründlich mit drei verschiedenen Reinigern. Der andere wischt einmal kurz mit einem feuchten Lappen drüber und hält es für erledigt. Beide haben das Gefühl, ihren Teil gemacht zu haben. Und der Erste kocht vor Wut.
Dazu kommt: Putzpläne haben keinerlei Konsequenzen. Wenn jemand seine Woche verpasst, passiert – nichts. Außer dass jemand anders genervt einspringt. Und dieser jemand ist meistens derselbe.
Die typischen WG-Putzplan-Typen
In jeder WG gibt es sie, und du erkennst sie sofort:
Die Person, die alles organisiert. Sie hat den Plan erstellt, erinnert alle daran, und wenn niemand putzt, macht sie es halt selbst – mit zunehmend passiv-aggressiven Kommentaren.
Die Person, die immer "gleich" sagt. "Gleich" bedeutet bei ihr: irgendwann zwischen heute und dem Ende des Semesters. Meistens eher letzteres.
Die Person mit anderen Standards. Für sie ist die Küche sauber, wenn kein Essen mehr auf dem Boden liegt. Dass der Herd verkrustet ist? Fällt ihr nicht auf.
Und die Person, die auszieht, bevor es zum Konflikt kommt. Weil es einfacher ist, eine neue WG zu suchen, als über Putzgewohnheiten zu streiten.
Was stattdessen funktioniert
Bereiche statt Wochen
Statt rotierend jede Woche alles zu machen, teilt feste Bereiche auf. Einer ist dauerhaft für Bad zuständig, einer für Küche, einer für Flur und Gemeinschaftsräume. Das hat zwei Vorteile: Jeder kennt seinen Bereich und kann ihn nach eigenem Rhythmus sauber halten. Und es gibt keine Diskussionen über "Wer war diese Woche dran?"
Gemeinsame Putzstunde
Einmal pro Woche, feste Zeit, alle putzen gleichzeitig. Eine Stunde, Musik an, danach gemeinsam kochen oder bestellen. Der soziale Aspekt macht es erträglicher, und niemand hat das Gefühl, allein zu schuften, während die anderen auf der Couch sitzen.
Konkrete Standards festlegen
Klingt bürokratisch, spart aber Streit. Definiert gemeinsam: Was heißt "Küche sauber"? Herd abgewischt? Müll raus? Boden gewischt? Wenn alle dasselbe Bild im Kopf haben, gibt es weniger Frust über unterschiedliche Ergebnisse.
Gamification einführen
Klingt nach Kinderkram? Funktioniert trotzdem. Punkte für erledigte Aufgaben, gemeinsame Belohnungen bei Erreichen eines Ziels. "1000 Punkte zusammen = Pizza auf WG-Kosten." Das klingt albern, aber es funktioniert, weil es einen positiven Anreiz schafft statt nur Pflichtgefühl.
Was tun, wenn einer nicht mitmacht?
Das ist die schwierigste Frage. Und die ehrliche Antwort: Wenn jemand nach mehreren Gesprächen konsequent nichts beiträgt, hast du zwei Optionen. Akzeptieren und den eigenen Frieden damit machen. Oder eine klare Grenze ziehen – bis hin zur Frage, ob die WG so noch funktioniert.
Klingt hart. Aber dauerhaft den Haushalt für jemanden mitzumachen, der sich weigert, ist auch keine Lösung. Es führt zu Groll, und Groll zerstört jedes Zusammenleben.
Fazit
Der klassische WG-Putzplan scheitert nicht an mangelndem Willen, sondern an falschen Annahmen über Gleichheit. Was funktioniert, sind klare Bereiche, gemeinsame Standards und Systeme, die Beitrag sichtbar machen. Und ja – manchmal auch ein ehrliches Gespräch darüber, ob alle wirklich bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
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DutyDazzle Team
Das DutyDazzle Team besteht aus Experten für Motivation, Produktivität und Partnerschaftspsychologie.
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